Montag, 30. November 2009



Das glorreiche Ende einer verdammt geilen Party am Strand: Jesse und Icke.

Montag, 23. November 2009

Das schwarze Unbekannte


Wiedereinmal hat ein sehr ereignissreiches Wochende sein Ende gefunden.
Am Donnerstag bekam ich die fantastische Nachricht noch gerade so als letzter Teilnehmer an einer zweitägigen Wanderung durch das drittgrößte Höhlensystem der Erde teilzunehmen: Calbiga.
Wir fuhren also am Freitag zu dritt nach Tacloban, wo uns Alex gleich erstmal mit einer riesigen Überraschung empfing. Er hatte die Woche über aufgrund eines Seminars in einem der besten Hotels der Stadt übernachtet und da einige Teilnehmer schon frühzeitig abfuhren, konnten wir deren Plätze einnehmen. Zwar mussten wir uns zu viert drei Betten teilen, doch diese Tatsache wurde durch eine morgentliche Dusche mit heißem Wasser locker wieder wett gemacht.
Mit übervollen Rucksäcken bewaffnet, brachen wir am frühen Morgen also auf in Richtung Galbiga Cave, zunächst auf der Ladefläche eines Kleintransporters, dann aber relativ schnell zu Fuß.
Unsere Wanderung begann mit einem einstündigen Fußmarsch durch bergiges Regenwaldgebiet. Seinem Namen wurde diese Pflanzenwelt dann sogar ziemlich schnell gerecht: Noch nicht bei der Hälfte angekommen, begann es schlagartig wie aus Eimern zu regnen, sodass
wir nach nur wenigen Minuten vollkommen nass waren.
Doch das störte nicht wirklich, den ein in der Vergangenheit immer häufiger eintretender Zustand der gleichgültigen Akzeptanz begann unbemerkt Besitz von mir zu ergreifen.
Nach weiteren 30 Minuten hatten wir dann unser vorläufiges Etappenziel erreicht, der Eingang der Höhle. Der Anblick dieser weit über 30 Meter hohen Steilwand, gespickt mit Stalagtiten, Felsvorsprüngen und herunterhägenden Lianen war einfach überwältigend und gleichzeitig total syrreal. Kaum merklich öffnete sich am unteren Fuße des Abhangs eine breite Öffnung, in die wir nacheinander auf einem schmalen Pfand hineingingen.
Immer weniger Licht gelang es, sich einen Weg ins tiefste Innere der Höhle vorzubahnen und mit einem Mal wurden wir von schwarzer Finsterniss verschluckt.
Wir schalteten deshalb unsere mitgebrachten Kopflampen ein und konnten so wenigstens den Weg vor uns erkennen.
Diese Strecke einen Weg zu nennen ist jedoch eine maßlose Übertreibung, denn anders als in deutschen Höhlen, in denen ordentlich abgesteckte Pfade durch beleuchtete Gänge führen, war hier wirklich Nichts weggeräumt. Dies rührt vor allem aus dem Fakt, dass diese Höhle erst im Jahre 1987 entdeckt wurde und auch in den darauffolgenden Jahren so wenig erkundschaftet wurde, dass sogar heute noch regelmäßig neue Kammern und Gänge entdeckt werden.
Wir wanderten also über steiniges Geröll, Schutt und umgestürzte Felsbrocken und ich fühlte mich immer mehr an einen Kindheitstraum erinnert: Den Traumberuf Höhlenforscher.
Nach einiger Zeit stießen wir dann auf eine glatte steile Felswand, an der wir unsere Rucksäcke abstellten und ersteinmal pausieren konnten.
Kurz darauf gingen wir ohne Gepäck in eine riesige Nachbarkammer in der wir in Ruhe alles aukundschaften konnten. Die Höhle war der blanke Wahnsinn, überall Stalagniten, - titen und -naten. Außerdem bizarre Gebilde aus Kalkstein, die manchmal wie Dinoköpfe in die Höhe zu ragen schienen.
Chris, Patrick, Alex und ich kletterten so lange an den Felsen herum und waren schon komplett vertieft im Auskundschaften neuer kleiner Höhlen, dass die anderen bald nur noch weit weg anhand ihres Lichtstrahls zu erkennen waren.
Egal. Das war einfach zu gut.
Wir zwängten uns in winzige Ritzen und immer wenn eine Höhle in einer Sackgasse zu enden drohte, fand sich ein neuer kleiner Durchgang. Die ganze Zeit über wurden wir von der allgegenwärtigen Dunkelheit begleitet. Nichts für Klaustrophoben.
Wieder bei der Gruppe angekommen, gingen wir mit den Guides zu einem unterirdischen See in dem sich blinde Fische und weiße, wie Tod erscheinende Krebse befanden.
An den Wänden saßen sich Riesige Spinnen mit langen Fühlern und der Boden war teilweise übersäht mit Heuschrecken, deren Fühler unglaubliche 25 cm lang waren.
Ganz so lebensfeindlich war die Umgebung also doch nicht.
Nach einiger Zeit des streckenweise recht anstrengenden Kletterns kamen wir an einen Abhang, an dem man nur durch ein Seil heil hinabsteigen konnte.
Die Umgebung der Höhle änderte sich mit der Zeit, mal spitze Steinpassagen, dann wieder meterdicker Schlamm, in dem man mit den Füssen regelmäßig bis zum Knöchel versank.
Doch dann war es soweit, wir konnten das berühmte Licht am Ende des Tunnels erkennen.
Ich lief direkt hinter dem ersten Führer, die Augen immer auf den drößer werdenden Lichtschein gerichtet, als der Philippino vor mir plötzlich zusammenzuckte und einen Satz zu Seite machte. Ich wusste zunächst gar nicht was los war, doch dann sah ich es: Unter einem Felsvorsprung lag eine zusammengerollte bestimmt zwei Meter dicke Schlange. Wow, die sah vielleicht genial aus.
Wir liefen also weiter und erreichten bald den Ausgang der Höhle, an dem wir auch die Nacht verbringen sollten.
Wir bereiteten unsere Planen und Isomatten vor und rollten die Schlafsäcke aus. Ich hatte leider keinen dabei, was ich später noch sehr bereuen sollte.
Es war schon fast vier Uhr und vor der Dunkelheit wollte uns unser Guide noch etwas anderes zeigen. Diese Tour war jedoch noch etwas extremer, sodass die Frauen der Runde bei unserem Lager blieben.
Der Rest machte sich auf zu einem neuen Eingang, in den es gleich ersteinmal zwei drei Meter abwärts in eine kleinere Vorkammer ging. Dort sah ich zum ersten mal eine in freier Wildbahn lebende Vogelspinne, fett und haarig.
Die zweite Schwierigkeit äußerte sich in einem super engem Schlitz, durch den wir uns gerade so durchzwängen konnten. Doch das alles lohnte sich.
Nach kurzem matschigen Fußmarsch stießen wir direkt vor uns auf einen unterirdischen Fluss.
So wie wir waren, mit Hose, T-Shirt und Schuhen ließen sich alle einfach in das Wasser des sehr sehr kalten Flusses fallen. Baden untertage, super.
So wurden wir zwar total nass, dafür aber auch richtig sauber.
Auf dem Rückweg relativierte sich jedoch auch das schon bald wieder.
Im Lager angekommen, kamen wir gerade richtig zu einem weiteren beeindruckenden Spektakel.
Denn mit hereinbrechender Dunkelheit trieb es auch die Fledermäuse aus der Höhle heraus.
Wie ein Schwarm synkroner Fische flogen sie in spektakulären Spiralen vor dem Eingang der Grotte ins Freie.
Den Abend verbrachten wir bei Tanduay und Kerzenlicht, bis wir ziemlich erledigt in unseren Schlafstätten einschliefen.
Die Nacht war für mich jedoch nicht gerade sehr erholsam, da ich in kurzer Hose und Sweatjacke schlief, viel zu wenig um der hereinbrechenden Kälte Parole zu bieten. Immer wieder wachte ich deshalb auf und wälzte mich von einer Seite auf die Andere.
Irgendwann fand ich dann jedoch meinen Schlaf und wachte ziemlich früh am nächsten Morgen auf. Wir frühstückten nicht satt machendes, trockenes Toast und einen Apfel und machten uns auf den Rückweg. Nach mehrere Stunden Wanderung durch dichten Urwald kamen wir dann auch wieder der Zivilisation näher, sodass wir unseren Ausflug mit einer kalten Coke und Erdnüssen beendeten.

Wieder in warmen und trockenen Tüchern ist,


Theo.

Fotos kommen bald.

Sonntag, 15. November 2009

On the road again



Ich habe also ein eigenes Bike. Diese Tatsache habe ich an den letzten beiden Wochenende mehr als reichlich ausgekostet.
Alles begann mit einem Trip am vorletzten Wochenende. Freitags fuhr ich am späten Nachmittag los nach Hernani, um Ingo zu besuchen. Da ich mich bei den Jungs aus Salcedo aber noch total verquatschte, brach während der Fahrt die Dunkelheit herein und ich lernte gleich zu Beginn meines Trips die erste Lektion in Sachen Bikerfreuden, oder eher jene, die den Spaß am Fahren deutlich zu mindern vermögen. Im Dunkeln sah man schlichtweg null, sodass die einzige Orientierungsquelle der eigene Scheinwerfer war. Dennoch reichte dieser nicht aus um die vielen, verdammt tiefen Schlaglöcher im Asphalt zu erleuchten, die Fahrt wurde also ziemlich wackelig.
Ich kam aber wohlbehalten in Hernani an, aß mit Ingo Abendbrot und ging früh schlafen. Am nächsten Morgen brachen wir dann bei Zeiten auf nach Borongan. Ich hatte erfahren, dass Jesse in Oras geblieben war und so entschied ich mich spontan ihn zu besuchen.
Ingo blieb in Borongan und ich setzte von dort aus meinen Weg alleine fort. Zunächst kam ich durch viele kleine Dörfer, in denen die meisten Hütten direkt am Straßenrand gebaut wurden. Das Leben spielt sich hier vordergründig im Freien ab und die Straße ist immer ein zentraler, öffentlicher Ort des gegenseitigen Miteinanders. Gleichzeitig haben Straßen jedoch eine ungemein lässtige Eigenschaft an sich - sie sind gefährlich und das sowohl für die Fahrer als auch die Passanten.
Im häufiger drängte sich deshalb die Gefahr Nummer eins im philippinischen Straßenverkehr auf - Hunde. Diese Tiere sind eine wirklich omnispräsente und unberechenbare Gefahr, sodass es zu einigen Beinaheunfällen zwischen mir und den Hunden kam. Die machen einfach was sie wollen, mal trotten sie mit gleichgültiger Langsamkeit vom einen zum anderen Ende, mal schlagen sie im letzten Moment ein Haken und kommen auf dich zugerannt.
Nach einigen Kilometern wurden die Häuser am Straßenrand jeoch wenniger und die Landschaft begann immer mehr meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dies gipfelte sich in einer Straße, an deren rechten Seite sich der Pazik und faszinierende Wolkenformationen und auf der Linken eine felsige Steilwand befand. Ich war so gefesselt von dieser Kulisse, dass es mir immer schwerer viel mich auf den Verkehr zu konzentrieren.
Nicht nur die Landschaft, sondern auch die Straße wechselte stetig ihre äußere Erscheinung, mal perfekt glatter Asphalt und dann wieder rau löchrige Schotterpiste.
Als ich am Nachmittag dann in Oras ankam, fuhren Jesse und ich gleich erstmal zu einer riesigen Lagune dirket am pazifischen Ozean.
Dort trafen wir dann auf einen pensionierten norwegischen Importunternehmer, der sich hier auf den Philippinen gerade sein zweites Haus am Strand baute. Er lud uns zu sich ein und offenbarte uns eine unerwaretete und deshalb doppelt gute Köstlichkeit, deutsches Brot aus Manila mit spanischem Hartkäse, super geil!
Den Abend verbrachten wir dann später mit Transwestieten und einigen anderen Freunden von Jesse.
Am nächsten Morgen beschlossen wir kurzerhand hoch nach Arteche zu fahren, Jesses eigentlicher Wohnsitz. Da sein Bike aber mal wieder nicht anspringen wollte und zu allem Überfluss auch noch Öl verlor, musste Tiffany, meine TMX, hinhalten.
Von der Strecke Arteche - Oras hatte ich schon einige Stories gehört, doch das was auf uns zu kam übertraf alles. Sand, Schotter, Steine, Löcher - der pure Offroadpark. Ich hab gerade bei den Hügeln natürlich extra Gas gegeben, sodass die Steine nach allen Seiten flogen.
Einfach nur geil.
In Arteche brachten wir dann kleinen Kindern das Baden bei, besorgten uns ein par Kokusnüsse und ließen den Tag mit einem riesen Teller voll Pfannkuchen ausklingen.
Am Montag machte ich mich gleich früh wieder auf den Weg zurück nach Guiuan.
Ich verbrachte um die sechs Stunden im Sattel und war am Ende völlig fertig.
Doch es kam noch besser.
Denn vergangenes Wochende entschied ich mich spontan für eine Tour nach Tacloban. Auch dort waren einige Volunteers von uns stationiert und da ich alle lange nicht mehr gesehen hatte und gleichzeitig noch einige Besorgungen machen musste, nahm ich die drei stündige Fahrt auf mich.
Diese Strecke war sogar noch schöner. Ich fuhr fast die ganze Zeit über a Meer entlang und die äußerst bodennahe Schräglage in den Kurven erhöhte den Fahrspaß noch um einiges.
Da Tacloban auf einer anderen Insel als Samar liegt musste ich das Wasser via einer riesigen Brücke überqueren, von der aus man einen nahezu perfekten Blick über Leyte hat.
In Tacloban angekommen traf mich das Verkehrschaos einer Großstadt auf einmal wie ein Schlag. Ich sah gar nicht mehr durch und die Reisebusse und Pickups übertrieben auf diesen Straßen noch mehr als in Samar, was meiner Ansicht nach nur schwer möglich war. Völlig verrückte Überhohlmanöver, bei denen der Gegenverkehr so viel zählt wie eine Kartoffel in Asien, waren minütlich an der Tagesornung und anscheinend völlig normal.
Auch an Verkehrszeichen war ich gar nicht mehr gewöhnt, die gibt es in Guiuan ja kaum.
Die Folge dessen war, dass ich gleich erstmal dirket in eine Einbahnstraße hineinfuhr und als wäre das bei dem Verkehr nicht schlimm genug, wartete auch noch ein Streifenbulle an deren Ende. Er kam, sah und winkte. Kacke, dacht ich, jetzt bin ich voll am Arsch.
Ich stellte also die Maschiene ab und er erklärte mir ersteinmal ruhig was ich denn falsch gemacht hätte. Ich nickte reumütig. Doch dann wollte er meinen Führerschein sehen. Das war für mich gerade total ungünstig, nicht nur das ich ja gar keinen Führerschein für ein Motorrad habe, sondern nur für Autos, nein, dieser war auch noch bei Lasse in Tacloban. Ich erzählte ihm das und redete auf ihn ein und zu meiner großen Überraschung winkte er nach einigem Hin und Her ab und ließ mich weiterfahren. Scheiße, hatte ich ein Glück.
Ich fuhr also in die Innenstadt, kaufte mir einen Helm (ja endlich Mama), neue Flipflops und, Achtung, Unterbodenlicht. Ja ihr habt richtig gelesen, was in Deutschland aus nicht erkennbaren Gründen verboten ist, ist hier völlig legal: In Zukunft wird also grünes Neon unter meinem Tank hervorscheinen und den silbernen Motorblock anstrahlen.
Den Abend verbrachte ich dann mit San Miguel und einigen Leuten aus Tacloban, sodass wiedermal ein anstrengender Tag zu Ende ging.
Am nächsten Morgen gingen Alex und ich zum Strand und trafen dort auf eine kleine und ziemliche junge Gruppe von Bloodz. Schon öfter hatte ich Graffity von dieser und der rivalisierenden Gang, den Cribz, in den Straßen entdeckt und hier bekam ich den Beweis für ihre Existenz gleich persönlich geliefert.
Ich habe bis heute nicht verstanden, warum es die auch hier auf den Philippinen gibt.
Jedenfalls quatschten wir mit denen, die waren wirklich total nett, und irgendwann begann einer von ihnen mit einem Flick - Flack.
An dieser Stelle muss vielleicht erwähnt werden, dass Alex der krasseste Sportfreak ist, den ich je getroffen habe, der früher einmal in einem Zirkusverein war und einhändigen Handstand kann. Nach einigem drängen meinerseits zeigte er den Jungs vom Strand dann auch etwas von seinem Können und so trainierten wir mit ein par Bloodz am Strand Akrobatik.
Sachen gibts.
Ich machte mich dann langsam wieder auf den Weg nach Guiuan. Nach einigen Kilometern fand ich mich plötzlich auf einer Straße wieder, an die ich mich nicht erinnern konnte, die aber wegen ihrer weitläufigen Landschaft so schön war, das ich auf ihr einfach weiter fuhr. Langsam wurde mir jedoch klar, ich war irgendwo falsch abgebogen und hatte mich nun total verfahren. Trotzdem fuhr ich ertseinmal weiter da mir einige Philippinos sagten, ich würde auch auf diesem Weg nach Guiuan kommen. Sehr skeptisch setzte ich meinen Weg fort und plötzlich geschah das unfassbare: Mitten in der Pampa ging das Bike aus und blieb stehen. Ich hatte vergessen zu tanken!
Zum Glück befand sich in der Nähe eine Hütte. Ich schob also das letzte Stück und fragte nach etwas Benzin. Der Philippino war gleich total hilfsbereit, schnappte sich ein Seil und verband damit sein Bike und Tiffany. Ich weiß nicht ob das so gestattet ist, wenn ein Motarrad ein anderes abschleppt, doch das war mir da natürlich komplett Latte.
Glücklicherweise befand sich nur einen Kilometer weiter eine Tankstelle. Ich hatte noch 260 Pesus und dachte mir, ich tanke für 200 und behalte die 60 noch für den Notafall. Das Tat ich dann auch, doch als ich mit dem Bezahlen fertig war, wollte mein "Abschleppdienst" plötzlich auch noch 100 Pesus. Ich gab ihm meine letzten 60 und zeigte ihm mein leeres Portmonai, sodass er sich damit zufrieden gab und schnell wieder davonraste.
Meine Situation war also folgende: Ich war blank und hatte kein Plan wo ich war.
Ich fuhr ersteinmal weiter und entdeckte glücklicherweise ein Schild mit der Aufschrift "Borongan 80 km". Na gut, dann eben ab nach Borongan, da kannte ich mich ja mittlerweile aus.
Doch die Straße wollte einfach kein Ende nehmen. Zwar schlängelte sie sich in engen Kurven mitten durch den Urwald ( richtigen Urwald wie er im Buche steht, mit verwurzelten Bäumen und Lianen) und es wurde immer bergiger, für solche Details war ich aber im Moment nur wenig zu begeistern.
Wenigsten erinnerte ich mich wieder an eine väterliche Weisheit: In den Bergen Finger weg von der Kupplung, lass die Motorbremse arbeiten.
Nach schier endlos erscheinenden 80 Kilometern kam ich dann an, doch nicht gleich in Borongan, sondern nur in Taft, 40 Kilometer von Borongan entfernt.
Na gut, dachte ich mir dann besuche ich eben Bodhi, einen weiteren Freiwilligen. Wir aßen zusammen verspätetes Mittag und ich machte mich wieder auf nach Borongan.
On the Road. Again.
Als ich in eine kleine Seitenstraße einbog und gerade wieder am beschleunigen war, kam aus einem Grundstück ein Junge super schnell und wie verrückt rausgerannt und dirket vor mein Bike. Ich ging voll in die Eisen, mein Hinterrad blockierte und ich verfehlte den Jungen nur um einen knappen Meter. Oh Gott war das knapp, für heute reichte es aber langsam.
Nach ein par Offroadstrecken kam ich nach viel zu vielen Stunden in Borongan an und blieb dort über Nacht bei Mathis.
Heute Morgen ging es dann zurück nach Guiuan, weitere zwei einhalb Stunden.
Anscheinend wollte Goztt den ganzen Touren, den Strapazen und den unzähligen Flüchen noch mit einem ordentlichen Wolkenbruch die Krone aufsetzen.
Wiedereinmal vollkommen durchnässt erreichte ich das langersehnte Ziel Guiuan.
Unter der Dusche bemerkte ich dann jedoch einen angenehmen Nebeneffekt des Fahrens mit T-Shirt: Ich war braun geworden, richtig braun. Ich bin so braun geworden, dass ich jetzt auch locker Josy Konkurenz machen könnte, ganz ohne Bruzzler!

Nach über 1000 Kilometern froh, endlich wieder einigermaßen unbeschadet in Guiuan angekommen zu sein sind Tiffany und


Theo.

Donnerstag, 5. November 2009

Maliwaliw

Heute ist der sechste November. Das heißt, dass nach dem Wochenende schon zwei Monate rum sind, bleiben noch zehn.
Inzwischen hat sich auch beruflich einiges getan, denn gestern konnte ich endlich einmal einen anstrengenden Arbeitstag verbuchen.
Alles begann am Mittwoch.
Meine Fragebögen wurden am Tag zuvor endlich fertiggestellt und auch schon in die regionale Sprache Waray Waray übersetzt, sodass wir morgens gleich mit dem Druck beginnen konnten.
150 Fragebögen führ insgesamt 81 Familien. Ich hatte die Fragen in zwei Teilgebiete untergliedert; in "general questions", in denen allgemeine Daten wie Alter, Anzahl der Kinder oder durchschnittliches Familieneinkommen eine Rolle spielten und in "specific questions", wobei sich die Fragen um die Rolle der Frau in den Fischergemeinden und andere Genderthematiken drehten. Beantwortet werden sollten sie von den Einwohnern einer nahegelegenen Insel mit dem wohlklingenden Namen "Maliwaliw".
Wir fuhren also mit dem Jeepney zunächst in eine kleine Küstengemeinde direkt am Meer, von welcher aus wir mit den so landestypischen "Pumpboats" übersetzen konnten. Schon während der Hinfahrt zogen sich über uns die Wolken dunkel zu und verhießen für die kommenden Stunden nicht gerade optimale Wetteraussichten.
Genau so kam es dann auch. Eine trockene Ankunft auf der Insel war uns leider nicht vergönnt, denn genau in dem Moment, in dem wir das Boot bestiegen, begann es plötzlich zu regnen.
Regen hier auf den Philippinen unterscheidet sich von dem Deutschen vor allem in drei Punkt, er kommt plötzlich, es regnet viel (!) und er verschwindet auch genauso schnell wieder.
Wir hatten also das zweifelhafte Glück, das es nur die Fahrt über regnete und bei unser Ankunft wieder alles trocken war, nur wir nicht. Trotzdem war es eine unglaublich eindrucksvolle Fahrt.
Die Küste am Horizont verschwand im Nebeldunst, sodass man völlig orientierungslos über das von Regentropfen aufgewühlte, sonst jedoch völlig ruhige Wasser gleiteten. Keiner sagte ein Wort, jeder genoss.
Auf der Insel angekommen wurden gingen wir nass bis auf die Haut in Richtung Wohnsiedlung.
Dort kannte Yolli, unsere philippinische Begleiterin und Angestellte bei GDFI, eine Familie, bei der wir Essen bekamen und auch übernachten sollten. Lange hielten wir uns dort jedoch nicht auf, da wir vor der hereinbrechenden Dunkelheit noch einige Fragebögen verteilen wollten.
So machten wir uns also auf den Weg und gingen von Haus zu Haus.
Doch als gerade mit dem Verteilen der ersten Bögen begonnen hatten, begann es wieder schlagartig zu regnen. Anscheinden hatte da oben jemand etwas gegen die Fertigstellung meiner Studie, doch das war mir mittlerweile auch egal, noch nasser konnte ich ja kaum noch werden.
Nach einiger Zeit hatte sich der kleine Trampelpfad auf dem wir unterwegs waren in einen beachtlichen Bach verwandelt, sodass wir unsere Besuche nun in Knöchelhohem Wasser fortsetzten mussten.
Als wir dann endlich mit dem Verteilen fertig waren, freute ich mich schon auf ein trockenes Dach über dem Kopf und über einen Platz an dem ich dieses merkwürdig unbekannte und dennoch unangenehme Gefühl, ich glaube es hieß Frieren, wieder loswerden konnte.
Ich wurde nicht enttäuscht. Die Philippina bei der wir übernachten sollten gab mir trockene Sachen ihres Mannes und machte ein Feuer auf der Kochstelle, an dem wir uns Wärmen konnten.
Wie ich wenig später jedoch mitbekam, war das Feuer gar nicht für uns gedacht, sondern diente nur als Wärmequelle für Töpfe und Pfannen, in denen das Abendessen zubereitet wurde. Klar, Gas oder Strom war auf der Insel nicht verfügbar oder zu teuer, darum machte man einfach direkt ein Feuerchen.
Es gab Reis mit Fisch. Lapu - Lapu, dieser Fisch wird zu einem hohen Preis gehandelt und ist noch begehrter als der ach so edle Blue Marlin.
Nach dem Essen unterhielten wir uns noch mit den Einheimischen über dies und das, bis wir dann endlich unseren wohlverdienten Schlaf fanden.
Da war die Tatsache, dass mich und den Boden nur eine dünne Reismatte trennte und ich mal wieder keine Decke hatte nur ein kleiner Wehrmutstropfen. Kurz vor dem einschlafen begann es dann wieder zu regnen und da die Hütten von den Einwohnern meißt selbst gebaut werden und dementsprechend wasserdurchlässig sind, bemerkte ich beim wegdösen einen feinen Sprühregen von der Seite, der sich sanft und kalt über mein Gesicht legte...
Am nächsten Tag standen wir früh auf, frühstückten und begaben uns auf den Weg zur anderen Seite der Insel, wo sich die restlichen Haushalte befanden.
Den ganzen Tag wurden Fragebögen verteilt und wieder eingesammelt und verschiedene Interviews geführt. Darunter war eine 29 - jährige Mutter, die während des Interviews ihr sechstes Kind stillte, der Barangay - Captain (vergleichbar mit Bezirksverwalter) mit dem ich über die Probleme der Insel sprach und eine alte Frau, die gerade ihre Wäsche wusch.
Erst am Nachmittag waren wir mit der Umfrage fertig, alle Fragebögen waren ausgefüllt und eingesammelt und alle Interviews geführt, sodass wir mit dem Pumpboat und später dann mit dem Bus nach Guiuan zurückkehren konnten.
Somit fanden zwei nasse und anstrengende, gleichzeitig aber auch erfolgreiche Tage ihr Ende.

Endlich mal wieder aktiv und deshalb zufrieden war und ist,


Theo.


Sonntag, 1. November 2009



Das ist mein Baby. Noch sieht es sehr konventionell aus, doch das wird sich nach einigen Tuningaktionen hoffentlich noch ändern.